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 Eine hohe Kunst

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Das Destillieren ist nichts anderes,
als das Subtile vom Groben
und das Grobe vom Subtilen
zu scheiden,
das Zerbrechliche oder
Zerstörbare unzerstörbar,
das Materielle unmateriell,
das Leibliche geistig,
das Unschöne schöner zu machen.

Hieronymus Brunschwig, 1512

 

Eine hohe Kunst - die Gewinnung ätherischer Öle

Wie kann man die winzigen duftenden Tröpfchen von den umgebenden Pflanzenteilen trennen? Wie werden sie aufbewahrt? 

Die Kunst des Destillierens ist Jahrtausende alt. Es wurden Destilliergeräte gefunden, die auf ein Alter von 5.000 Jahren geschätzt wurden. In alter Zeit entstanden verschwenderische Duftkulturen, die aber immer wieder in der Geschichte untergingen. Durch die Kreuzzüge kamen die Essenzen und duftenden Wässer nach Europa und verbreiteten sich in der nördlichen Hemisphäre.

Im 16. Jahrhundert beschrieb Hieronymus Brunschwig in seinem Buch “Der wahren Kunst zu destillieren” 25 ätherische Öle. In den letzten Jahrhunderten kannte man über 100 ätherische Essenzen und deren medizinische Wirkweise. Dieses Wissen wird erst jetzt wieder angewendet und von einigen wenigen medizinisch praktiziert.

 Für Interessierte gebe ich hier einen Überblick über die verschiedenen Arten zur Herstellung von ätherischen Ölen:

Wasserdampfdestillation

Die gebräuchlichste Art zur Gewinnung ätherischer Öle ist die Wasser-
dampfdestillation. Die drei Hauptschritte der Destillation sind Verdampfung, Kühlung und Separierung.

Das Pflanzenmaterial wird sorgfältig in einen Alambique geschichtet. Bei der direkten Methode wird das Pflanzenmaterial direkt ins Wasser gegeben und der Kessel zum Kochen gebracht. Bei der zweiten, weitaus gebräuchlicheren Methode wird das Pflanzenmaterial im Alambique auf einen Rost geschichtet und Dampf zugeführt. Der aufsteigende Dampf löst die Öltröpfchen aus der Pflanze und trägt sie mit sich.

In einem gekühlten Rohr kondensiert der Dampf mit dem ätherischen Öl. Das Kondensat sammelt sich in einem Behälter, dem Florentiner Topf. Das meist leichtere und dadurch oben schwimmende Öl kann nun vom Wasser getrennt werden.

Eine Vielzahl von Parametern wie Material der Destillationsanlage (rostfreier Inoxstahl), Destillationsdauer, Druck und Temperatur beeinflussen die Qualität des ätherischen Öls und erfordern ein hohes Maß an Können und jahrelanger Erfahrung.

Co-Destillation

Eine besondere Art der Destillation mit überraschenden Ergebnissen ist die Co-Destillation, bei der Pflanzen, aus denen normalerweise kein Duft gewonnen werden kann, zusammen mit einem pflanzlichen Trägerstoff wie Gummibaum oder Zeder destilliert werden. Der Trägerstoff verbindet sich mit dem zarten Duft des Destillationsgutes. Duftspezialitäten für Kenner sind Brennessel-Essenz oder Algen-Essenz.

Kaltpressung

Die kleinen Öldrüsen in den Schalen der Zitrusfrüchte sind mit bloßem Auge erkennbar. Zur Gewinnung der sogen. Agrumenöle (Zitrusöle) gibt es verschiedene Preßverfahren:

1. Die Ritzung der Schalenoberfläche. Das austretende ätherische Öl wird mit Wasser abgesprüht; die anschließende Zentrifugierung trennt Wasser vom ätherischen Öl.

2. Nach der Saftpressung der Zitrusfrucht werden die übrig gebliebenen Schalen gepreßt und mit Wasser vermischt; aus diesem Öl-Wasser-Ge-
misch wird durch Zentrifugieren das ätherische Öl gewonnen.

Bei Zitrusölen ist eine Trübung durch natürliche Wachsanteile möglich und somit ein besonderes Qualitätsmerkmal für naturbelassene Qualität. Die kaltgepreßten Zitrusöle sollten möglichst kühl und besonders lichtgeschützt aufbewahrt werden.

Alkoholextraktion

Vanille, Kakao oder Honigwaben können mit Alkohol extrahiert werden. Diese Extrakte werden zum Aromatisieren von Speisen, Likören oder Mixgetränken verwendet, aber auch für Parfüms, Körperöle oder zur Verdunstung in der Duftlampe. Manchmal entsprechen die Extrakte nicht den Dufterwartungen, da beim ersten Riechen der alkoholische Anteil überwiegt. Die Extrakte sind jedoch wundervolle Duftnuancen und viel milder im Aroma als die künstlichen Lebensmittelaromen.

Gewinnung von Absolues

Kostbare Blüten wie Jasmin, Tuberose, Mimose, Ginster und Narzisse können nicht mittels Wasserdampfdestillation gewonnen werden. Auch eine Extraktion mit Alkohol bringt nicht das gewünschte Ergebnis. Es bedarf eines speziellen Lösungsverfahrens; daher kommt auch der Name der Produkte, Absolues (von lat. solvare - lösen).

Heute werden vor allem chemische Lösungsmittel wie Hexan verwendet, um die Duftstoffe aus den Blüten zu lösen. Zunächst erhält man das salbenartige Concrete, in dem Wachsanteile enthalten sind. In einem weiteren Schritt wird das Lösungsmittel mit Alkohol unter Vakuum abdestilliert - man gewinnt das flüssige oder zähflüssige Endprodukt, das je nach Konsistenz zur einfacheren Handhabung mit Trinkbranntwein versetzt wird.

Absolues haben einen betörend starken Duft, der oft erst in der Verdünnung seinen edlen und fein blumigen Charakter enthüllt.

Enfleurage

Die Enfleurage ist eine besonders schonende Methode, um den Duft empfindlicher Blüten wie Jasmin und Tuberose zu gewinnen. Frisch gepflückte Blüten werden in Handarbeit auf eine dünn mit Fett bestrichene Glasplatte, das sogenannte Chassis, gelegt und so 12 Stunden dunkel und kühl gelagert. Anschließend werden sie von der Platte genommen und durch neue, frisch geerntete Blüten ersetzt. Diese Prozedur wird solange wiederholt, bis das Fett mit ätherischem Öl gesättigt und zur sogen. Pomade geworden ist. Diese wird mit Alkohol gewaschen -  das ätherische Öl  wird so vom Fett befreit und getrennt. Abschließend wird der Alkohol abdestilliert und das pure Enfleurage Öl liegt vor.

Resinoid-Herstellung

Bei der Verarbeitung duftender Harze werden die Duftstoffe von den fast geruchlosen, schwer flüchtigen Anteilen aus dem Harz gelöst. Das Harz wird mit chemischen Lösungsmitteln oder Alkohol angesetzt, erhitzt und gerührt. Das ätherische Öl löst sich, die Lösungsmittel werden wieder abgedampft.

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